von
Gioachino Rossini
Dramma giocoso in zwei Akten
Libretto von Jacopo Ferretti
In italienischer und deutscher Sprache
Premiere: 15. Juni 2003
Weitere Aufführungen:
17./18. und 20.06.2003
Konzerthaus Karlsruhe
Musikalische Leitung: Alicja Mounk
Regie: Andrea
Raabe
Bühnenbild: Tobias Dinslage
Kostüme: Susanne Hubrich
Dramaturgie: Klaus
Angermann
Musikalische
Studienleitung: Sigmar Steddin
Musikalische
Einstudierung: Matthias Hammerschmitt
Anna Skryleva
Regieassistenz
und Abendspielleitung: Annette Schekahn
Kostümassistenz Anne Schmitt
Inspizienz Annabelle Köhler
Sprachbetreuung: Stefanie Köhler
Künstlerisches Betriebsbüro: Sabine Lüdtke
Technische Betreuung: Ralf Haslinger
Bühnentechnik: Frank Singer, Karl-Heinz Reindl,
Meik Stamer
Licht: Stefan Woinke
Maske: Jutta
Krantz
Schneiderei: Roswitha
Reindl, Andrea Schmittke
Sängerinnen und Sänger: Studierende des Instituts
für Musiktheater
Orchester: Studierende der Hochschule
für Musik Karlsruhe
Aschenputtel gehört zweifellos zu den bekanntesten Märchen
der Welt. Allein die große Fülle von mehr als 7000
(!) Überlieferungen, in denen sich das Märchen in
unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen ausfindig
machen lässt, deutet auf das starke Interesse der Menschen
an der Thematik dieses Märchenstoffes hin. Die Geschichte
von dem Mädchen, das von seinen Stiefschwestern verachtet
in der Asche liegen muss, wurde auch in zahlreichen Versionen
für die Bühne adaptiert.
Die wohl bekannteste Adaption für die Opernbühne
schuf Gioacchino Rossini (1792-1868) mit seiner 1817 in Rom
uraufgeführten Opera buffa "La Cenerentola". Das von Jacopo
Ferretti verfasste Libretto basiert auf der französischen
Variante des Märchens, die Charles Perrault 1697 unter
dem Titel "Cendrillon oder gläserne Pantoffel" in einem
Erziehungsbuch für aristokratische Sprösslinge veröffentlicht
hatte. Rossini und sein Textdichter entzauberten die Handlung
dahingehend, dass sie die gute Fee durch einen aufgeklärten
Philosophen ersetzten und Aschenputtel als eine selbstbewusste
Frau zeichneten, der Selbstmitleid und Rührseligkeit in
ihrem Schicksal fremd sind.
Nur unter der Vorraussetzung einer solchen Verweltlichung
des Stoffes konnte Rossini das Aschenputtel-Märchen überhaupt
komponieren. Nicht das psychologisch motivierte Drama war sein
Metier, sondern die Buffo- Oper, in der die Figuren in eine
marionettenhafte Distanz gerückt sind. Dort aber, im Medium
des heiteren Spiels, entfalten sie dank der Musik ihre ganz
eigene Poesie und durchaus vielschichtige Emotionalität.
Diese wird nicht "veristisch" vorgeführt, sondern lauert
gewissermaßen hinter der Maske der melodischen und rhythmischen
Bravour.
Die Vielschichtigkeit und Aktualität des Märchenstoffes
geht Rossinis Oper jedoch nicht verloren. Sehr heutig erzählt
es die Geschichte zweier Menschen, die um ihr persönliches
Glück kämpfen. Da ist zum einen Aschenputtel, ein
Mensch von seiner Umwelt unterdrückt, der aber dennoch
selbstbewusst seinen Weg geht, um seine Träume zu verwirklichen.
Und da ist zum anderen der Prinz, der sich über enge Konventionen
hinwegzusetzen versucht und nach inneren Werten seiner Mitmenschen
sucht. Beide lösen sich aus ihren Zwängen und beide
finden ihren Weg zu freien persönlichen Entscheidungen.
Somit wird "La Cenerentola" zu einer Parabel über die
innere Kraft des Menschen, sich gegen Alltagserfahrungen wie
Ausgrenzung und Unterdrückung zur Wehr zu setzen - und
dabei auch noch sein Glück zu finden...
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