Zum Studium der Musikinformatik
Die Musikinformatik soll der traditionellen, überwiegend
historisch ausgerichteten Musikwissenschaft einen zweiten Ausbildungsbereich
an die Seite stellen, der die aktuelle Entwicklung und Situation
der Musik und des Musiklebens zum Inhalt hat und- als
Pendant zur historischen Betrachtung - auch die Frage nach
den Auswirkungen der technologischen und sozialen Veränderungsprozesse
auf die zukünftige Kulturlandschaft stellt. Dabei sollen
nicht nur die praktischen Anwendungen und Einwirkungen der Informationstechnik
auf die Musik gelehrt werden, sondern die Studenten auch in die
Lage versetzt werden, das Universalinstrument "Computer" für
musikwissenschaftliche Forschungs- und Dokumentationszwecke
aller Art einsetzen zu können. Das schließt computergestützte
Forschungen zu mittelalterlicher oder außereuropäischer
Musik ebenso ein wie Analysen zeitgenössischer Musik,
sei es im Popbereich oder der Kunstmusik, oder die Auseinandersetzung
mit Entwicklungen der Film- und Videomusik, der Notebook-Musik
oder der NetArt.
Das Studium wird in den beiden
ersten Semestern die Grundlagen sog. "Angewandter Musikinformatik" legen,
d.h. einführende
Kenntnisse zu Standardmusikprogrammen, Softwareproduktion, Musik
in den Medien etc., sowie zu peripheren - aber notwendigen - Wissensgebieten
wie Akustik, Elektroakustik und Instrumentenkunde vermitteln.
Auch soll ein internationaler Überblick über Forschungsstätten
und Institute der Musikwissenschaft und Musikinformatik gegeben
werden. Natürlich wird auch die Geschichte der elektroakustischen
und elektronischen Musik seit etwa 1900 vermittelt, wobei die
Verflechtung dieses geschichtlichen Prozesses mit gesellschaftlichen
und musiktechnologischen Entwicklungen einbezogen wird.
Im dritten und vierten Semester
werden die bisherigen Themen weitergeführt und vertieft;
dazu kommen Themen der "Speziellen
Musikinformatik" wie die Auswirkungen computergestützer
Arbeitsweisen auf kreative Prozesse, die Nutzung computergestützter
Methoden für die musikwissenschaftliche Analyse
oder Forschungen zum Thema "Künstliche Intelligenz und Musik",
sowie auch die Auswirkungen der Informationstechnologien auf
die Medien- und Kulturlandschaft. Die Softwarekenntnisse
sollen so weit vertieft werden, dass die Absolventen in der Lage
sind, Aufwand und Nutzen einer Programmierung für spezielle
Zwecke abzuschätzen und möglicherweise kleine Hilfsprogramme
selbst zu entwerfen.
Vom ersten bis vierten Semester
werden vorlesungsbegleitende Übungen
und Tutorien angeboten.
Im fünften und sechsten Semester soll bereits einer individuellen
Schwerpunktbildung Raum gegeben werden, d.h. die Lehrangebote
werden Ergänzungs- und Vertiefungsmöglichkeiten zu
den bisherigen Stoffen beinhalten. Vor allem wird aber das projektbezogene
Lernen und die Arbeit an vertiefenden Studienarbeiten
im Vordergrund stehen.
Das Master-Studium im Fach Musikwissenschaft
oder im Fach Musikinformatik dient der weiteren wissenschaftlichen
Vertiefung und Spezialisierung. (Weiteres siehe unter Studiengänge
).
Prof. Dr. Siegfried Schmalzriedt,
ehemaliger Leiter des Instituts für Musikwissenschaft der Universität (TH) Karlsruhe,
und Prof. Dr. Thomas A. Troge,
Leiter des Instituts für Musikwissenschaft und Musikinformatik und des ComputerStudios der HfM Karlsruhe.
|