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Das Studium der Musikwissenschaft/Musikinformatik


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Dass sich Musiker und Musikwissenschaftler mit einem gewissen gegenseitigen Misstrauen begegnen, hat in Europa eine bis ins Mittelalter zurückreichende Tradition. So wie ein Betrunkener zwar seine Haustür finde, sich aber nicht über den Weg dorthin im Klaren sei, so könne auch ein praktischer Musiker eine wohlklingende Musik erzeugen, ohne etwas über die Gesetze der intervallischen und rhythmischen Proportionen zu wissen, die die Grundlagen seines Tuns darstellten, liest man in dem Traktat eines mittelalterlichen Musiktheoretikers. Auch heute noch haben manche Musikwissenschaftler im Hinblick auf ihre Musikerkollegen den Spruch drauf: "Denn sie wissen nicht, was sie tun!", und Musiker argwöhnen, dass Musikwissenschaftler nicht einmal Klavier spielen könnten und haben damit manchmal sogar auch noch Recht. Erfreulicherweise hat sich in Karlsruhe jedoch ein unvoreingenommenes Miteinander verschiedener Studienrichtungen entwickelt.

Die Lehrveranstaltungen des Instituts werden sowohl von Studierenden aller Studiengänge der Musikhochschule als auch der Universität (im Ergänzungsfach) besucht. Ohne diese wertvolle Unterstützung wäre der Lehrbetrieb des Instituts für Musikwissenschaft schon längst zusammengebrochen. Die Lehrangebote des Instituts werden ergänzt durch die Kollegen anderer Institute und Fächer, ohne deren Mitarbeit der Themenbereich eines musikwissenschaftlichen Instituts nicht abzudecken wäre.

Die Studierenden der Musikwissenschaft/Musikinformatik haben freien Zutritt zu allen Konzerten, Opernaufführungen und Vorträgen der Musikhochschule. Sie nutzen dieses Angebot in großem Umfang und erweitern damit ihre Repertoire-Kenntnisse. In den letzten Jahren gab es darüber hinaus, insbesondere in Zusammenarbeit mit Herrn Prof. Martin Ostertag und Frau Dozentin Christine Daxelhofer, mehrere Gemeinschaftsveranstaltungen zu ausgewählten Musikwerken des 18. Jahrhunderts, was künftig in einem erweiterten Rahmen noch intensiviert werden soll. Insbesondere sollen über die Zusammenarbeit mit dem ComputerStudio auch die Kontakte zur Kompositionsklasse und damit zum aktuellen zeitgenössischen Komponieren intensiviert werden, ebenso die Kooperation mit den Studenten des Instituts LernRadio. So kommen sich die Studierenden verschiedener Studiengänge in Seminaren, Kursen und Konzerten nicht nur künstlerisch und wissenschaftlich näher, sie schließen auch Freundschaften. Beides ist für ihre Entwicklung förderlich.

Nicht das traditionelle Misstrauen zwischen Musikern und Musikwissenschaftlern kennzeichnet das spezielle Karlsruher Studierklima, vielmehr ist in vertrauensvoller Zusammenarbeit verschiedener Institutionen eine Atmosphäre des Aufeinanderzugehens entstanden und ein Wissen, dass man sich gegenseitig braucht.

 

   
   


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Zum Studium der Musikinformatik

Die Musikinformatik soll der traditionellen, überwiegend historisch ausgerichteten Musikwissenschaft einen zweiten Ausbildungsbereich an die Seite stellen, der die aktuelle Entwicklung und Situation der Musik und des Musiklebens zum Inhalt hat und- als Pendant zur historischen Betrachtung - auch die Frage nach den Auswirkungen der technologischen und sozialen Veränderungs­prozesse auf die zukünftige Kulturlandschaft stellt. Dabei sollen nicht nur die praktischen Anwendungen und Einwirkungen der Informationstechnik auf die Musik gelehrt werden, sondern die Studenten auch in die Lage versetzt werden, das Universalinstrument "Computer" für musikwissenschaftliche Forschungs- und Dokumentationszwecke aller Art einsetzen zu können. Das schließt computergestützte Forschungen zu mittelalterlicher oder außereuropäischer Musik ebenso ein wie Analysen zeitgenös­sischer Musik, sei es im Popbereich oder der Kunstmusik, oder die Aus­einandersetzung mit Entwicklungen der Film- und Videomusik, der Notebook-Musik oder der NetArt.

Das Studium wird in den beiden ersten Semestern die Grundlagen sog. "Angewandter Musikin­for­matik" legen, d.h. einführende Kenntnisse zu Standardmusikprogrammen, Softwareproduktion, Musik in den Medien etc., sowie zu peripheren - aber notwendigen - Wissensgebieten wie Akustik, Elek­troakustik und Instrumentenkunde vermitteln. Auch soll ein internationaler Überblick über Forschungsstätten und Institute der Musikwissenschaft und Musikinformatik gegeben werden. Natürlich wird auch die Geschichte der elektroakustischen und elektronischen Musik seit etwa 1900 vermittelt, wobei die Ver­flechtung dieses geschichtlichen Prozesses mit gesellschaftlichen und musiktechnologischen Entwick­lungen einbezogen wird.

Im dritten und vierten Semester werden die bisherigen Themen weitergeführt und vertieft; dazu kommen Themen der "Speziellen Musikinformatik" wie die Auswirkungen computergestützer Arbeits­weisen auf kreative Prozesse, die Nutzung computergestützter Methoden für die musikwissenschaftliche Analyse oder Forschungen zum Thema "Künstliche Intelligenz und Musik", sowie auch die Auswirkungen der Informationstechnologien auf die Medien- und Kulturlandschaft. Die Softwarekenntnisse sollen so weit vertieft werden, dass die Absolventen in der Lage sind, Aufwand und Nutzen einer Programmierung für spezielle Zwecke abzuschätzen und möglicherweise kleine Hilfsprogramme selbst zu entwerfen.

Vom ersten bis vierten Semester werden vorlesungsbegleitende Übungen und Tutorien angeboten.

Im fünften und sechsten Semester soll bereits einer individuellen Schwerpunktbildung Raum gegeben werden, d.h. die Lehrangebote werden Ergänzungs- und Vertiefungsmöglichkeiten zu den bisherigen Stoffen beinhalten. Vor allem wird aber das projektbezogene Lernen und die Arbeit an vertiefenden Studienarbeiten im Vordergrund stehen.

Das Master-Studium im Fach Musikwissenschaft oder im Fach Musikinformatik dient der weiteren wissenschaftlichen Vertiefung und Spezialisierung. (Weiteres siehe unter Studiengänge ).

Prof. Dr. Siegfried Schmalzriedt,
ehemaliger Leiter des Instituts für Musikwissenschaft der Universität (TH) Karlsruhe,
und Prof. Dr. Thomas A. Troge,
Leiter des Instituts für Musikwissenschaft und Musikinformatik und des ComputerStudios der HfM Karlsruhe.

   

 

 

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