Die
Ausbildung an Hochschulen für Musik unterscheidet sich von
anderen Hochschultypen in vielen Punkten: die künstlerische
Ausbildung mit Einzelunterricht, das Schüler-Meister-Verhältnis,
starke Komponenten der Praxis schon während des Studiums,
Forschung als künstlerische Entwicklungsvorhaben u. a. erlauben
keine Evaluation der Lehre nach den an wissenschaftlichen Hochschulen
erprobten Methoden.
Die Musikhochschulen Karlsruhe und Detmold haben sich 1998 zusammengeschlossen
und als erste Kunsthochschulen in der Bundesrepublik gewagt, das "Projekt Musikhochschul-Evaluation"(ProMusE)
gemeinsam mit dem CHE, Centrum für Hochschulentwicklung, zu starten. Hierzu
hat eine neunköpfige Steuergruppe (Prorektor und drei Professoren aus Detmold
sowie Rektorin, zwei Professoren, Referentin und Verwaltungsdirektor aus Karlsruhe)
unter der Moderation eines erfahrenen Mitarbeiters des CHE das im Verbund norddeutscher
Universitäten erfolgreich erprobte Evaluationsverfahren auf sich übertragen,
jedoch den vorhandenen Frageleitfaden den Musikhochschulstrukturen angepasst.
Zudem wurden die Prinzipien des Verfahrens und ein Zeitplan festgelegt.
Im Oktober 1998 wurde in allen Ausbildungsbereichen beider Hochschulen gleichzeitig
die Evaluation begonnen, die inzwischen abgeschlossen ist.
Beide Hochschulen gliederten die Bereiche der
Lehre in Evaluationseinheiten auf, konkret waren das in Karlsruhe:
- Orchesterinstrumente
- Tasteninstrumente
- Gesang und Oper
- Dirigieren und Komposition / Neue Musik
- Schulmusik
- Rundfunk-Musikjournalismus / LernRadio
In jeder dieser Evaluationseinheiten haben sich Arbeitsgruppen
von Lehrenden und Studierenden gebildet, um sich mit dem Frageleitfaden
zu befassen, der ergänzt, anders gewichtet oder auch gekürzt
werden konnte. Auf dessen Grundlage entstanden jeweils möglichst
genaue Selbstbeschreibungen über den gegenwärtigen
Zustand sowie über erforderliche und wünschenswerte
Veränderungen des jeweiligen Evaluationsbereichs. Aspekte
des Musiktheoriebereichs flossen in alle Evaluationseinheiten
mit ein, da in jeder der sechs Arbeitsgruppen jeweils eine Lehrkraft
für Musiktheorie beteiligt war. Diese Selbstbeschreibungen
wurden durch einen von der Verwaltung erstellten statistischen
Teil ergänzt.
Dann einigten sich die jeweiligen Evaluationseinheiten beider
Hochschulen auf eine Liste von auswärtigen Gutachtern (peer-groups),
deren Teilnahmebereitschaft erfragt wurde, wobei studentische
Gutachter nach Möglichkeit von studentischen Mitgliedern
der Arbeitsgruppen benannt wurden. Diese Experten, die möglichst
nicht aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen stammen
und in keiner direkten Beziehung zu einer der beiden Hochschulen
stehen durften, erhielten die jeweiligen Selbstbeschreibungen.
Um die Zahl der Gutachter nicht unnötig groß werden
zu lassen, wurden in einem Fall zwei Evaluationseinheiten unter
einer Gutachtergruppe zusammengefasst (Tasteninstrumente / Gesang
und Oper). Für die Gutachtertätigkeit wurde kein Honorar
bezahlt, lediglich eine Aufwandsentschädigung sowie Fahrt-
und Übernachtungskosten wurden zugesagt.
Folgende Gutachter wurden bestellt:
Gutachtergruppe Orchesterinstrumente (5 Gutachter,
davon 2 Studierende)
- Herr Siegmund von Hausegger,
Hochschule für Musik
Nürnberg
- Herr Prof. Ulf Tischbirek, Hochschule für Musik Lübeck
- Herr Prof. Gunther Pohl, Manberger Symphoniker, Hochschule
für Musik Nürnberg
- Herr Nikola Stolz, Hochschule für Musik und Darstellende
Kunst Stuttgart (Studierende)
- Frau Anna Stümke, Hochschule
für Musik und Darstellende
Kunst Stuttgart (Studierende)
Gutachtergruppe Tasteninstrumente + Gesang / Oper
(5 Gutachter, davon 2 Studierende)
-
Herr Prof. Dr. Werner
Müller-Bech,
ehem. Rektor der Hochschule für Musik Saarbrücken
- Herr Prof. Peter
Roggenkamp, Hochschule für Musik
Hamburg
- Herr Georges Delnon, Intendant am
Staatstheater Mainz
- Herr
Alexander Kaatz, Hochschule für Musik Weimar
(Studierende)
- Herr
Michael Kilian, Hochschule für Musik München
(Studierende)
Gutachtergruppe Dirigieren und Komposition / Neue
Musik (4 Gutachter, davon 2 Studierende)
-
Herr Prof. Karl-Josef
Müller, Hochschule für
Musik Frankfurt
- Herr
Prof. Ulrich Nicolai, Hochschule für Musik München
- Herr
Lancelot Fuhry, Hochschule für Musik Weimar
(Studierender)
- Herr
Traugott Schulze, Hochschule für Musik
Weimar (Studierender)
Gutachtergruppe Schulmusik (3 Gutachter, davon 1 Studierende/r)
-
Herr Prof. Dr. Ulrich
Mahlert, Hochschule der Künste
Berlin
- Herr
Prof. Dr. Volker Schütz, Hochschule für
Musik Würzburg
- Frau
Imke Laudan, Hochschule für Musik Dresden (Studierende)
Gutachtergruppe Rundfunk-Musikjournalismus / LernRadio
(3 Gutachter, davon 1 Studierende/r)
-
Frau Dr. Ursula Klein, ehem. Sender Freies Berlin
- Herr
Harald Letfuß, SWR Baden-Baden
- Frau
Tatjana Böhme, Hochschule für Musik Leipzig
Die auswärtigen Experten besuchten die entsprechenden
Evaluationseinheiten an beiden Hochschulen für die Dauer
von etwa eineinhalb Tagen und verifizierten in Gesprächen
mit Lehrenden, Studierenden, der Hochschulleitung und der Verwaltung
die erstellten Selbstbeschreibungen. Die Besuche fanden im Oktober
/ November 1999 statt. Anschließend verfassten sie auf
der Grundlage der Gespräche und Beobachtungen vor Ort vorläufige
Gutachten.
Zum Ende des Wintersemesters 1999/2000 gab es an der Musikhochschule
Karlsruhe im Rahmen einer sogenannten auswertenden Konferenz
zwischen Gutachtern und Evaluationseinheiten die Möglichkeit,
evtl. aufgetretene Missverständnisse oder Fehlinformationen
zu korrigieren, Aussagen zu schärfen und Vernachlässigtes
zu ergänzen. Die Absicht dieses Verfahrensschrittes war
es, eine möglichst hohe Akzeptanz der Gutachten bei den
Hochschulangehörigen zu erreichen. Aus dem Ergebnis der
auswertenden Konferenz resultierten die endgültigen Gutachten
der auswärtigen Experten während des Frühjahrs
2000.
Auf der Grundlage dieser Gutachten wurden Maßnahmen zur
Verbesserung der Lehre sowie Maßnahmen zur stärkeren
Profilbildung der Hochschule beschlossen und z.T. bereits umgesetzt.
Zur Sicherung der Nachhaltigkeit der Gutachten wurden während
des Sommersemesters 2001 Zielvereinbarungen zwischen den einzelnen
Fachbereichen und der Hochschulleitung über die einzuleitenden
Maßnahmen geschlossen.
Das Verfahren ProMusE wurde an der Musikhochschule Karlsruhe
durch Sondermittel des Ministeriums für Wissenschaft und
Kunst Baden-Württemberg unterstützt.
Übereinstimmende Ergebnisse der Gutachten:
Dass die Musikhochschule Karlsruhe ein attraktiver Studienstandort
ist, wurde von allem Gutachtergruppen erwähnt. Im Folgenden
einige Zitate:
- "Nicht nur das hohe internationale
Renommee vieler Professoren macht das Studium in Karlsruhe
so attraktiv, es gibt eine Reihe von besonderen Einrichtungen,
die sich von anderen Musikhochschulen positiv unterscheiden:
ein gut funktionierendes Orchester; hervorragender Kammermusikunterricht;
Berührungspunkte
der Studierenden mit dem Institut für MusikTheater,
dem Institut für LernRadio, dem Studio für
Alte Musik, dem Institut für Neue Musik und dem
Studio für
Musikinformatik; Kooperationen mit dem Institut für
Musikwissenschaft an der Universität Karlsruhe;
ein professionelles Aufnahmestudio mit eigenem Tonmeister
u.v.m.)"
-
"Grundsätzlich ist festzuhalten,
dass die Musikhochschule Karlsruhe mit dem Aufbaustudiengang
LernRadio eine in der Bundesrepublik einzigartige Fachausbildung
zum Musikjournalisten im Hörfunk anbietet."
-
"Die Stärken
des derzeitigen Studiengangs Schulmusik
wurden gesehen und betont."
-
"Das Unterrichtsangebot wird mit
Hilfe von zahlreichen Kursen international renommierter Künstler
ausgezeichnet ergänzt und die Studierenden haben außergewöhnlich
viele Auftrittsmöglichkeiten (ca. 360 Veranstaltungen
im Jahr)."
-
"Die
Musikhochschule Karlsruhe hat hervorragende
Kontakte und umfangreiche Kooperationen
zu anderen Musikhochschulen im In- und Ausland,
das Austauschprogramm Erasmus wird intensiv
gepflegt."
-
"Zahlreiche Preise bei nationalen
und internationalen Wettbewerben sowie eine imposante Liste
von Opern- und Orchesterengagements der Studierenden belegen,
welch außerordentlich hohes
Niveau die Ausbildung junger Instrumentalisten an der
Musichochschule Karlsruhe hat."
-
"Die Lernatmosphäre erschien
den Außengutachtern
getragen von einem humanen Geist und gegenseitigem Respekt,
die Ausbildung und ihre Belange im Sinne der sachbezogenen
Anforderungen und zum Besten aller Beteiligten zu stärken
und zu optimieren."
-
"Vonseiten der Studierenden wurde
mit großer Genugtuung
und mit Stolz auf die Unterstützungsbereitschaft
der Fachbereichs- und Hochschulleitung gegenüber
curriculumsüberschreitenden
Projekten hingewiesen.
Neben einigen in den Einzelgutachten
bemängelten Details
findet man ebenfalls übereinstimmend in allen Gutachten
jedoch auch vier wichtige Punkte, die generell bemängelt
wurden:
-
"Die Hochschule verfügt über
keinen eigenen Konzertsaal."(In der Zwischenzeit hat die
Landesregierung den Neubau eines Multimedia- und Bühnenkomplexes
für die Musikhochschule
Karlsruhe beschlossen.)
-
"Die Verteilung der Hochschule auf Gebäude in weit
voneinander entfernten Stadtteilen ist ein unhaltbarer Zustand.
Es muss im Interesse des Staates sein, dass Studierende ihre
Zeit nicht mit weiten Wegen vertrödeln, sondern dass
sie ihre Arbeitszeit optimal nutzen, um ihr Studium innerhalb
der vorgeschriebenen Zeit zu absolvieren. Die gegenwärtige
Trennung der Unterrichtsstätten erschwert die Koordination
der versch. Unterrichtsfächer, da die Studierenden mehrfach
lange Wege zurücklegen müssen. Die räumliche
Entfernung hat noch den weiteren Nachteil, dass sich viele
Kollegen fast nie zu Gesicht bekommen, wodurch sich Kommunikationsprobleme
ergeben können. Absprachen werden besonders erschwert
dadurch, dass in einigen Häusern keine Telefonanschlüsse
sind oder auch keine Pförtner sitzen."
-
"Für alle Studiengänge müssen offiziell
genehmigte Studien- und Prüfungsordnungen bestehen,
aber einige davon sind vom zuständigen Ministerium bisher
nicht offiziell bestätigt. Hierdurch stellt sich die
Frage, ob sie letztlich überhaupt Gültigkeit haben!"
-
"Die Bibliothek ist in einem sehr
schönen Raum im
Schloß Gottesaue untergebracht. Allerdings bestehen
viele Klagen über Öffnungszeiten und Nutzungsmöglichkeiten." (
Daraufhin wurden die Öffnungszeiten etwas erweitert,
und der Anschluss an den Südwestdeutschen Bibliotheksverbund "SWB" wird
angestrebt.)
Neben diesen vier wichtigen Kriterien wurde generell
bemängelt,
dass sich die Evaluation auf den Status der alten Studiengangsstruktur
bezieht, die inzwischen geändert wurde. (Nach Beginn des
Verfahrens wurde der grundständige Studiengang "Künstlerische
Ausbildung" eingeführt.)
Parallele Verfahren:
Neben dem Evaluationsverfahren ist die Hochschule dabei, ein
Leitbild zu entwickeln und führte (ohne Beteiligung der
Hochschule für Musik Detmold) eine Absolventenbefragung
durch.
Die Absolventenbefragung wurde auf den Zeitraum 1993-1999 begrenzt,
da die Daten früherer Absolventen nicht per EDV abrufbar
sind. Ziel der Befragung war, neben einer Bewertung der Lehre,
insbesondere Informationen über die berufliche Entwicklung
der Absolventen zu erhalten.
Hierfür wurde ein Fragebogen entwickelt, dessen Rücklauf
bei über 33 % lag. Es ist vorgesehen, diese Befragung in
regelmäßigen Abständen fortzusetzen und damit
das Ergebnis ständig zu aktualisieren.
Der Fragebogen umfasste 18 Fragen. Dabei sollten die Befragten
auch gezielte Angaben machen über ihre berufliche Laufbahn
im direkten Zusammenhang mit der Qualität der Lehre, die
sie an der Musikhochschule Karlsruhe erfahren haben. Für
die folgende Auswertung wurden acht Abfragepunkte herangezogen:
Aus welchen Gründen haben Sie sich für die Musikhochschule
Karlsruhe als Studienort entschieden?
69 % der Befragten gaben den Wunschlehrer als Motivation an,
13 % bezogen sich auf die Qualität der Hochschule.
- Handelte
es sich bei Ihrem Studium an der Musikhochschule Karlsruhe
um Ihren Wunsch oder war es ein Kompromiss?
89 % beantworteten diese Frage eindeutig mit ja, lediglich 11 % sahen den
Studienort Karlsruhe als Kompromiss an.
-
Haben
Sie sich während Ihres Aufenthaltes an der Musikhochschule
Karlsruhe wohlgefühlt?
53 % gaben hierauf die Wohlfühlnote "gut", 30 %
gaben die Wohlfühlnote "sehr
gut".
-
Zu welchem
Zeitpunkt konnten Sie Ihre Berufswünsche
und -pläne verwirklichen?
47 % der Absolventen konnten bereits während des
Studiums ihre Berufswünsche
verwirklichen, 18 % schon bald nach dem Studium und 10 % sofort
nach dem Studium.
-
Nennen Sie Ihr
erstes Engagement, bzw. Ihre erste Anstellung.
51 % der Absolventen können eine durchschnittliche,
den üblichen
Erwartungen entsprechende Entwicklung, 17 % eine sehr gute
und 9 % sogar eine herausragende Entwicklung vorweisen.
-
Konnten
/ Können Sie Ihren an der Musikhochschule
Karlsruhe erlernten Beruf ausüben?
85 % der Befragten konnten diese Frage mit einem klaren ja beantworten.
-
Welche
Tätigkeit, bzw. Tätigkeiten üben
Sie zur Zeit aus und wo?
51 % der Ehemaligen gaben eine durchschnittliche, den üblichen
Erwartungen entsprechende Entwicklung an, 11 %
sprachen von einer sehr guten, 11 % von einer herausragenden
Entwicklung.
-
Würden Sie
Ihren beruflichen Erfolg auf die Ausbildungsqualität
der Musikhochschule Karlsruhe und ihren Ruf zurückführen?
57 % führen ihren beruflichen Erfolg auf die Qualität
der Musikhochschule Karlsruhe zurück.
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