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Ursprünglicher
Zustand
(Renaissance)
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Mit diesem Bau, vom Typus her eine
Mischung aus Manoir, Lusthaus und Saalbau, für den der Königsbacher
Architekt Johannes Schoch und sein Polier Paul Murer verantwortlich
zeichneten, bewegte sich der Markgraf auf der Höhe des damaligen
Zeitgeschmacks.
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Zustand
um
1910 (Barock)
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Allerdings währte die Freude über
das Schloss, dessen Innenausstattung vermutlich nie ganz fertig
wurde, kaum länger als 100 Jahre: 1689 richteten die Truppen
des französischen Königs Ludwig XIV. wie fast überall
im Lande auch hier schwere Zerstörungen an. Beim Wiederaufbau
ließ man kurzerhand das oberste dritte Geschoss weg, teilte
rund 50 Jahre später nach einem verheerenden Schlossbrand
die verbliebenen zwei Geschosse in drei Etagen, nahm die kunstvollen
Renaissance-Fenstergestelle heraus und machte das Gebäude
zum Mittelpunkt eines landwirtschaftlichen Gutes.
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Foto um 1910
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1818 zogen Soldaten ins Schloss. Das gesamte Areal diente nun
100 Jahre lang als Artilleriekaserne. Die folgenden Nutzungen:
von 1919 bis 1935 Mietskaserne, anschließend Polizeischule.
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Die wohl schlimmste Zerstörung im Verlauf seiner wechselvollen
Geschichte erlitt Schloss Gottesaue bei einem Fliegerangriff
am 7. Juli 1944. Vier Jahre später mussten sogar die Reste
der Südtürme mit den anschließenden Längswänden
wegen akuter Einsturzgefahr gesprengt werden. Über drei
Jahrzehnte blieb Gottesaue traurige Ruine. Wäre das Schloss
zentraler gelegen, hätte man es sicher schneller wiederaufgebaut
oder schneller abgerissen.
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Mit der Entscheidung zum Wiederaufbau
1977 verbanden die Verantwortlichen zugleich den Wunsch, die von
Gewerbe- und Brachflächen geprägte Umgebung des Schlosses
städtebaulich aufzuwerten. Die große Frage neben
der künftigen
Nutzung aber war: Wie soll das neue alte Schloss Gottesaue
aussehen? Totalrekonstruktion des Urzustands, obwohl der Renaissancebau
in seiner ursprünglichen Form nur bis 1689 bestanden hatte?
Oder doch lieber Rekonstruktion des Zustands von vor 1944? Dagegen
sprach die viel geringere kunsthistorische Bedeutung dieser Fassung.
Nach langem Hin und Her fand man einen Kompromiss, eine verträgliche
Verbindung von Alt und Neu: Die Hauptmerkmale der alten Architektur,
also Geschossgliederung und Symmetrie des Baus blieben bestehen.
Auch das verlorene dritte Geschoss fügte man wieder hinzu.
Der Musikhochschule, der 1978 der Vorzug vor anderen potentiellen
Nutzern gegeben worden war, konnte dieser Platzgewinn nur recht
sein.
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Schloss Gottesaue, Ostansicht,
kurz nach dem Ende des Wiederaufbaus
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Ansonsten wurde nur ergänzt, was
an der Ruine selbst noch vorhanden war. Die erhaltenen Fassadenteile
reparierte man lediglich so weit wie unbedingt notwendig. Aus diesem
Grund lassen sich alte und neue Bausubstanz gut mit dem bloßen
Auge unterscheiden. Die Geschichte des Baus sollte ablesbar bleiben.
Statt der verlorenen Fenstergestelle, von denen keines mehr an
der Ruine vorhanden war, baute man solche aus Metall ein. Wer noch
genauer hinsieht, wird an den Ecken des obersten Gesimses weitere
untrügliche Hinweise auf unsere Zeit entdecken: Ein Telefon
und eine Weltraumfähre, um nur zwei zu nennen, virtuos aus
Sandstein gehauen, fügen sich anstandslos in das Gesamtbild
ein. Über die Inneneinrichtung lässt sich streiten, sie
ist modern, hält aber im ganzen Gebäude einen "Respektabstand" zum
historischen Mauerwerk.
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Fuchsbau: Rektorat und Verwaltung
der
Hochschule
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Studenten-wohnheime |
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Marstall: Institut für MusikTheater, Opernschule |
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Von den Wirtschaftsgebäuden der
Klosterzeit ist keines erhalten geblieben. Aus der Periode der
Nutzung als landwirtschaftliches Gut stehen noch ein ehemaliges
Kavaliershaus, Fuchsbau genannt (heute Rektorat und Verwaltung
der Musikhochschule), der "Römerbau" mit Übungsräumen
sowie die Torgebäude an der Wolfartsweierer Straße (Studentenwohnheime).
Der
Marstall stammt aus der Kasernenzeit und wird heute vom Institut
für MusikTheater der Musikhochschule genutzt. |

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Grabplatte des Klostergründers
Graf Berthold
von Hohenberg.
Heute zu sehen im Foyer des
Gottesauer Schlosses
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Trotz der zahlreichen
Zerstörungen im Verlauf der Jahrhunderte blieb im Schloss
bis heute ein Raum aus der Erbauungszeit erhalten: Der Keller,
eine zweischiffige Halle mit Pfeilern und Kreuzgewölbe,
dient jetzt als Cafeteria und Garderobe. In einem angrenzenden
Raum machte man bei Ausschachtungsarbeiten zum Wiederaufbau einen überraschenden
Fund: Unter einem Haufen Bauschutt kamen mehrere alte Grabplatten,
darunter die seit 1689 verschwundene Platte aus dem 14. Jahrhundert
mit dem Relief des Klostergründers Graf Berthold von Hohenberg,
zum Vorschein. Leider schaffte man sie nicht gleich in Sicherheit,
sondern zum reibungslosen Fortgang der Arbeiten erst einmal aus
dem Weg. Und fand sie nicht mehr wieder. Bei der Ausstellung
zum 900-jährigen Klosterjubiläum im Jahr 1994 mussten
die Besucher mit Bruchstücken der Grabplatte und einer Fotografie
Vorlieb nehmen. Drei Jahre später fand man sie doch - auf
dem alten Klostergelände, vom Gestrüpp gut verborgen.
Heute beobachtet Graf Berthold vom Foyer der Musikhochschule
aus interessiert das geschäftige Treiben um ihn herum.
Monika Müller, April 1999 |
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